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Saliman Corianth




Mein Vater hatte einen etwas ungewöhnlichen Beruf. Er beschäftigte sich damit Probleme anderer Leute aus der Welt zu schaffen. Direkt gesagt war er ein hinterhältiger Meuchelmörder, der die Morde ausführte die ein anderer plante und sie nicht selbst ausführen wollte oder konnte. Es war ein sehr lukratives Geschäft, denn die meisten Kunden waren von adeliger Abstammung und wollten ihre Verwandten loswerden. Dies war auch der Anlaß wodurch mein Vater meine Mutter Rashida das erste Mal traf. Die Schwester meiner Mutter war eifersüchtig weil sie nichts und Rashida einmal alles bekommen sollte. Aus dieser Motivation heraus beauftragte sie meinen Vater damit daß er dieses Hindernis ein für allemal beseitigte. Doch dank Ihrer telepathischen Begabung konnte meine Mutter den Plan durchschauen und sich schützen. Als der tödliche Stoß durch die Klinge meines Vaters erfolgen sollte hatte er plötzlich seinerseits einen Dolch an der Kehle, doch meine Mutter hatte kein Interesse daran ihn zu töten sondern machte ihm den Vorschlag so zu tun als ob er seinen Auftrag erfolgreich beendet hätte. Meine Mutter hingegen machte sich aus dem Staub, denn sie legte sowieso keinen Wert auf das Erbe und das Leben auf dem Schloß ihres Vaters machte ihr schon lange keinen Spaß mehr.

Einige Jahre später, mein Vater nahm mittlerweile keine solchen Aufträge mehr an, trafen sich meine Eltern wieder. Es war bei einem Turnier das der große Ritter Uriel Amados veranstaltete um würdige Anwärter für seine Leibgarde zu finden. Mein Vater war einer der Anwärter auf den Posten des Kommandeurs der Garde. Meine Mutter hingegen hatte sich vor einigen Monden als Amme des nun einjährigen Sohnes und einzigen Nachkommens von Uriel beworben und ist angenommen worden. Die Vergangenheit meines Vaters kam ihm bei diesem Turnier sehr entgegen, denn er kannte alle Tricks wie man einen Angriff startet den ein Gegner nicht erwartet und dank dieser Kenntnisse gewann er das Turnier ohne eine einzige Niederlage und wurde somit der neue Anführer der Leibgarde. Es gab ein großes Festmahl in dessen Verlauf sich meine Eltern sehr nahe kamen. Nach einiger Zeit konnten meine Eltern nicht mehr leugnen, daß sie sich sehr gerne hatten. Dies war hauptsächlich der erheblichen Gewichtszunahme meiner Mutter zuzuschreiben welche sich auch im Körperumfang widerspiegelte. Ritter Amados hatte gegen eine Hochzeit nichts einzuwenden und so wurden meine Eltern ein Paar.

Einige Zeit später in der Nacht zur Sommersonnwende erblickte ich, Saliman Corianth, kurz nach Mitternacht das Licht der Welt oder besser gesagt das Leuchten eines riesigen Feuerrades. Ich war ein sehr schmächtiger kleiner Bursche was meinem Vater nicht besonders gefiel, da er mich zu einem großen Kämpfer erziehen wollte. Doch da ich weder mit einem Schwert geschweige denn mit einer Streitaxt umgehen konnte weil mir diese Geräte einfach zu schwer waren nahm ich mir einen Dolch. Damit trainierte ich jede freie Minute während meiner Unterrichtseinheiten die ich, zusammen mit Asmadin Amados, dem Sohn von Uriel, von Toran dem Hofmagier bekam. Da mein Spiel- und Lerngefährte etwa zwei Jahre älter war als ich und auch um einiges kräftiger gingen unsere Interessen jedoch bald auseinander. Asmadin bekam Unterricht von meinem Vater in sämtlichen Kampf- und Waffentechniken die man sich nur vorstellen kann. Am Anfang war ich traurig, daß ich bei diesen Unterrichtseinheiten zum zuschauen verdammt war, doch dann als ich lesen lernte begann ich mich mit den verschiedensten Themen zu beschäftigen zu denen es Bücher in der umfangreichen Bibliothek gab. Wenn ich eine Frage hatte oder bei einem Problem nicht weiterkam stand mir mein großes Vorbild und Mentor Toran mit Rat und Tat zur Seite. Dieses Zusammentreffen meines Wissendurstes und der praktischen langjährigen Erfahrung meines alten Lehrmeisters trug bedeutende Früchte. Unser gemeinsames Interesse war es die Gegenstände die ein guter Zauberkundiger immer dabei haben sollte möglichst so unterzubringen, daß sie keine Behinderung darstellten. In mühevoller Forschung und Arbeit entstanden in den Jahren die wir miteinander verbrachten allerlei nützliche Gegenstände die einem Magier im täglichen Abenteuerleben sehr zugute kommen. Zwei unserer wichtigsten Entwicklungen war eine Schreibfeder die es dem Benutzer ermöglicht jede Sprache die er sprechen kann auch in Worten festzuhalten. Vorausgesetzt er ist der Kunst der Übermittlung von Nachrichten in dieser Form mächtig. Der andere Gegenstand ist ein magisches Buch in welches man schreiben kann soviel man will und das dennoch nicht voll wird. Dieses Buch hat nur einen kleinen Fehler der leider von uns nicht beseitigt werden konnte. Denn die traurige Wahrheit über unser „Zauber“buch ist, daß kein einziger Zauberspruch länger als 24 Stunden in ihm nachzulesen ist. Auf eine unerklärliche Weise fangen nach besagten 24 Stunden die Schriftzeichen an zu verblassen und verschwinden als ob sie nie dagestanden hätten. Toran war der Meinung daß dies wohl ein Neutralisationseffekt der arkanen Kraft unseres Buches und der Macht eines Zauberspruches ist.

Da ein Hofmagier nicht nur Zeit zu seiner Verfügung hat sondern auch andere Verpflichtungen hat, hatte ich auch viel Zeit für mich allein in der so ziemlich jedes Buch das sich in greifbarer Nähe befand von mir gelesen wurde. Zusätzlich habe ich die wichtigsten Stellen und Passagen dieser Bücher in unsere bodenlose Informationsquelle übertragen.

Bis zum Alter von 15 Jahren war mir egal in welchem Gebiet sich mein Wissen erweiterte und so kam es daß ich mich in den verschiedensten Lehren auskannte. Mein spezielles Interesse galt allerdings auch in dieser Zeit den Lehren der Magie. Es konnte mir zum Beispiel in der theoretischen Zauberkunde kaum jemand etwas erzählen was ich nicht schon einmal gehört oder gelesen hatte. Obwohl ich an keine Götter glaube habe ich in dieser Zeit fast alles über die verschiedenen Religionen und Kulte studiert und zusammengetragen.

Am 16. Jahrestag meiner Geburt waren mein Eltern der Meinung ich sollte nun endlich einen richtigen Beruf erlernen. Es war eigentlich nur ein Zufall das gerade zu dieser Zeit der alte Schreiber am Hof infolge einer langen Krankheit fast sein komplettes Augenlicht verlor. Dies war eine willkommene Gelegenheit für mich allen Anforderungen die an meine Person gestellt wurden zu erfüllen. Ich konnte somit dem Wunsch meiner Eltern nachkommen und eine ordentliche Arbeitstelle antreten. Genauso konnte ich der stummen Bitte von Toran, noch eine Weile bei ihm zu bleiben und seine wie er sagte letzten fröhlichen Stunden mit ihm verbringen nachkommen. Aber was für mich am wichtigsten war, ich konnte auf dem Besitz der Amados bleiben, denn allen Warnungen zum Trotz hatte es mir die zukünftige Gemahlin von Asmadin sehr angetan. Eigentlich war alles in bester Ordnung.

Uriel Amados war ein sehr abergläubischer Mensch der sehr viel auf die Horoskope von allen möglichen Sternkundegelehrten hielt und auch sein Leben danach richtete. In meiner Eigenschaft als Schreiber hatte ich oft die Ehre die Horoskope meines Herren vom Ersteller abzuholen und zu überbringen. Dieser Umstand ermöglichte es mir desöfteren in der Gesellschaft der besten und wissensreichsten Astrologen im Land zu sein. Da meine Neugier immer noch ungezügelt war hatte ich natürlich ungeheuer viele Fragen an diese Herren die auch meistens eine zufriedenstellende Antwort wußten. Nach einiger Zeit konnte ich schon selbst einfache Voraussagen treffen die allerdings nur sehr selten auch in der Art und Weise eintrafen wie Sie von mir prophezeit wurden. Dieser Umstand verbesserte sich allerdings im Laufe der Zeit.

Als dann einige Zeit später Salina, meine Angebetete sich endgültig für den Bund der Ehe mit Asmadin entschied und kurz darauf auch noch Toran starb hielt mich nichts mehr an diesem Ort. Toran hatte mir auf seinem Sterbebett alle unsere gemeinsamen Entwicklungen Vermacht.Mit diesen Sachen, inklusive unserer letzten Entwicklung (Ein Vergrößerungsglas, welches es einem ermöglicht Sprachen zu lesen die man sonst nur Sprechen kann) und einem Empfehlungsschreiben von Uriel Amados im Gepäck machte ich mich auf um die Welt kennenzulernen.

Einige Zeit zog ich als reisender Lehrer durch die Lande und verdiente so meinen geringen Lebensunterhalt. An jedem Ort wo eine größere Bibliothek zu finden war ließ ich mich eine Weile nieder und trug in mein tragbares Nachschlagewerk alles ein was mir wichtig erschien und erschuf somit eines der größten gebündelten Wissenszentren die es jemals gegeben hatte. Doch mit diesem Wissen konnten nur wenige etwas anfangen, da es in einer sehr alten Sprache geschrieben war die ich in sehr jungen Jahren von meinem Vater gelernt hatte. Es handelte sich um Slang die vergessene Sprache einer alten Gilde von Attentätern die heutzutage nur noch sehr wenige sprechen und noch weniger lesen können.

Als ich mein 23. Lebensjahr vollendet hatte nahm ich eine Stellung an der königlichen Akademie als Forscher an. Ich erforschte das Wesen der Menschen wie sie sich im Umgang mit ihresgleichen und anderer Kreaturen benahmen. Nebenbei unterrichtete ich Sprachlehre und Astrologie. Doch mit der Zeit fand ich keinen Reiz mehr darin verzogenen Gören Anstand und Manieren beizubringen und beschloß meine magische Begabung weiterzuentfalten und zog los um mein Leben als Wanderer wieder aufzunehmen und viele Abenteuer zu bestehen. Doch gleich mein erstes wurde auch fast mein letztes. Eine Gruppe kleiner gemeiner Goblins hatten mich und meine zwei Gefährten bei der Nachtruhe überrascht und verschleppt. Sie hatten in Ihrem Lager bereits einen Gefangenen der das genaue Gegenteil von mir zu sein schien. Es war meine erste Begegnung mit meinem jetzigen Weggefährten Olgur. Olgur ist ein wahrer Berg von einem Mann der mit einem Hieb einen Baum fällen kann. Bei einem waghalsigen Fluchtversuch entkamen wir, doch leider kamen nur Olgur und ich mit dem Leben davon und meine zwei Freunde erlagen ihren Verletzungen. Auch ich wäre wohl gestorben wenn nicht Olgur bei mir gewesen wäre.

by Lord Dhalben